Bericht zur antinationalen und libertären Vorabenddemo am 4. September 2009 in Dortmund


Im Kontext der Aktivitäten gegen den “nationalen Antikriegstag” der Dortmunder Neonazis wurde dieses Jahr am 4.9 zu einer Vorabenddemo unter dem Motto „Nationalismus überwinden – Grenzen einreißen!“ aufgerufen, an der sich nach verschiedenen Schätzungen zwischen 800 und 1.200 Menschen beteiligten.

Organisiert wurde die Demonstration von den „Ums Ganze“ Gruppen NRW und der Gruppe Antifaschistischer Impuls Dortmund mit dem Aufruf “Der Hauptfeind ist das eigene Land” sowie der Anarchistisch-Syndikalistischen Jugend NRW mit dem Aufruf “Nationalismus überwinden – Grenzen einreißen!”.

Gegen 18h sammelten sich die TeilnehmerInnen oberhalb der Freitreppen am Dortmunder HBF. Allerdings wurde der Lautsprecher-Wagen kurz vor dem Startpunkt von der Polizei gestoppt und unter fadenscheinigen Gründen aufgehalten. Die DemonstrationsteilnehmerInnen konnten aber vom Startpunkt zum Platz des Amiens mobilisiert werden, wo der Lauti von der Polizei durchsucht wurde. Nach einigen Minuten konnte ein so großer Druck aufgebaut werden, dass die Polizei keine andere Wahl hatte, als die Demonstration loslaufen zu lassen.

Begonnen wurde mit einem Redebeitrag der antimilitaristischen Gruppe “Bundeswehr wegtreten!” in dem speziell auf die Militarisierung der Gesellschaft und dem Profit deutscher Unternehmen an Kriegen eingegangen wurde. Nach einem weiteren Redebeitrag der FAU Münster, welcher sich um die Auswirkungen der aktuellen kapitalistischen Krise und Nationalismus auseinandersetzte, startete die Demonstration lautstark.

Die Demonstration führte durch die Innenstadt in Richtung Ostwall. Von dort ging es im Bogen zurück durch die Innenstadt Richtung Katharinentreppen. Die Demonstration war kraftvoll und fiel besonders durch viele schwarz/rote Fahnen auf. Die Teilnehmer/innen riefen Parolen, wie “Generalstreik”, Antifaschismus kann nicht staatlich sein, nieder mit Nationen, nieder mit Parteien“, oder was macht dem Rassisten Dampf- Klassenkampf, welche noch einmal den anarchistisch-syndikalistischen Anstrich der Demonstration unterstrichen.

Am Endkundgebungsort (Freitreppen) hielt ein Vertreter der ASJ-NRW einen Redebeitrag in dem auf das Motto der Demonstration eingegangen und eine positive sozialrevolutionäre Position dargestellt wurde. Es folgte ein Redebeitrag der Autonomen Antifa [f] zur Kritik des Nationalismus und einer Kritik eines bloß nur noch identitären Verständnisses der Funktionsweisen von Staat, Nation und Kapital im Allgemeinen sowie des aktuell hegemonialen Nationalismus imBesonderen bei Teilen der radikalen Linke.

Die Vorabenddemo endete schließlich gegen 22h nachdem die zwei Bands Susanne Blech und Telemarker vor ca. 250 Leuten für eine kulturelle Abrundung sorgten. Zwischen der Umbaupause wurde das Publikum außerdem in einem kurzen Beitrag der „Antifaschistischen Union Dortmund“ über die Dortmunder Neonazi Szene informiert.

Die Aufrufenden Gruppen zeigen sich zufrieden mit dem Ablauf. “Unsere Erwartungen wurden voll und ganz Erfüllt” so eine Sprecherin der ASJ-NRW. Außerdem sei man erfreut endlich wieder eine große Demonstration, mit antinationalen und libertären Charakter und abseits der Grabenkämpfe, im Ruhrgebiet durchgeführt zu haben, so die Sprecherin weiter.

“Einen so großen schwarz/roten Block habe ich seit langem nicht gesehen, auch nicht auf der Demonstration am 28.03.2009 in Frankfurt”, erzählte ein Sprecher der FAU Region West, “ diese freudige Ereignis gibt uns Mut und Selbstvertrauen für die Zukunft, vor allem im Ruhrgebiet. Wir freuen uns darüber, dass es die ASJ geschafft hat, trotz aller Diffamierungen und politischem Druck aus allen radikalen Lagern, die Demonstration ohne Störungen durch eins der beiden Lager erfolgreich durchzuziehen.“

Anna Müller vom Antifa AK Köln ergänzte: „ Wir sind mit der TeilnehmerInnenzahl und dem politischen Ausdruck der Demonstration zu frieden. Natürlich wünschen wir uns immer dass „mehr geht“, aber Radikalität bemisst sich nun mal nicht in der Anzahl geworfener Steine, sondern in der inhaltlichen Begründung seiner Politik. Insofern war die Demonstration richtig, nicht nur gegen Nazis und Krieg, sondern die allgemeinen Funktionsprinzipien von Staat, Nation und Kapital ins Visier zu nehmen.“

Entgegen aller unbestätigten Vorurteile, die Demo sei von antideutschen “unterwandert”, dominierte der antinationale und libertäre Charakter der Demonstration, nicht nur durch ihre Erscheinung, sondern auch durch die Redebeiträge und Parolen.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Menschen bedanken die an der Demonstration teilgenommen haben. Auch möchten wir uns für Unterstützung der FAU Region West, der Antifa [F], der ASJ Berlin, der FAU Frankfurt und der Gruppe „Bundeswehr wegtreten!“ bedanken.

Bilder: Indymedia